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Was eine WordPress-Website wirklich kostet

Vor drei oder vier Jahren hat eine Agentur Ihre Website auf WordPress gebaut. Der Bau selbst war überschaubar im Preis, das System ist schließlich Open Source. Seither läuft im Hintergrund trotzdem regelmäßig etwas: eine Hosting-Rechnung, eine Erinnerung, dass die Lizenz für das Premium-Plugin verlängert werden muss, und alle paar Monate ein Anruf bei der Agentur oder einem Freelancer, weil nach einem Update etwas nicht mehr angezeigt wird wie vorher. Nichts davon war im Angebot damals eine große Position. Zusammen sind es trotzdem laufende Kosten, Jahr für Jahr.

Dieser Artikel beschreibt, woraus sich diese laufenden Kosten zusammensetzen, warum WordPress sie strukturell erzeugt und für wen WordPress trotzdem die richtige Wahl bleibt. Es geht nicht um den Kaufpreis, sondern um das, was danach kommt.

TL;DR: Der Kaufpreis einer WordPress-Website ist nur der Anfang der Rechnung. Hosting, Theme-Lizenz, Premium-Plugin-Abos, Sicherheits-Updates, Entwickler-Notfälle, Backups und irgendwann eine Migration kommen über drei bis fünf Jahre dazu. Der Grund liegt im Aufbau selbst: Kern, Plugins und Theme werden von unterschiedlichen Parteien unabhängig voneinander gepflegt. Für Content-lastige Seiten und komplexe Shops ist WordPress trotzdem oft die richtige Wahl.

Der Kaufpreis ist nicht der Preis

WordPress selbst kostet nichts. Der Kern ist Open Source, Zehntausende Plugins und Themes sind kostenlos verfügbar, und laut W3Techs läuft WordPress auf 40,7 % aller Websites weltweit (Stand August 2026), mehr als jedes andere System. Das ist der Grund, warum WordPress fast immer die günstigste Option in einem ersten Angebot ist: Die Software selbst kostet nichts, bezahlt wird nur die Arbeitszeit, die den Aufbau macht.

Was in diesem ersten Angebot selten mitgerechnet wird, ist alles, was danach kommt. Eine Website ist kein einmal gebautes Produkt, sondern ein System, das laufend am Laufen gehalten werden muss, ähnlich wie ein Firmenauto: Der Kaufpreis ist eine Zahl, Treibstoff, Service und Reparaturen sind eine andere, und über fünf Jahre ist meistens die zweite Zahl die größere.

Woraus sich die laufenden Kosten zusammensetzen

Acht Positionen kommen bei einer gewachsenen WordPress-Website fast immer vor, manche einmalig, die meisten wiederkehrend.

PositionWas es umfasstEinmalig oder laufend
HostingServer, der zur Zahl der Besucher und Plugins passtLaufend
Theme-LizenzJährliche Verlängerung für ein Premium-Theme oder einen Page-BuilderLaufend
Premium-Plugin-AbosFunktionen wie Formulare, SEO, Caching, Sicherheit, oft mehrere parallelLaufend
Sicherheits-UpdatesKern, Plugins und Theme müssen im gleichen Takt aktuell gehalten werdenLaufend
Entwickler-NotfälleJemand rufen, wenn ein Update etwas zerlegt hatUnregelmäßig, aber wiederkehrend
Backup-ToolingSicherungen, damit ein missglücktes Update rückgängig gemacht werden kannLaufend
Performance-ArbeitAufräumen, wenn genug Plugins die Ladezeit spürbar verlangsamt habenWiederkehrend, in Schüben
MigrationUmzug auf ein neues Theme oder System, wenn das alte nicht mehr weiterentwickelt wirdEinmalig, aber absehbar

Keine dieser Positionen ist für sich groß. Zusammengenommen, über drei bis fünf Jahre gerechnet, ergeben sie trotzdem eine laufende Kostenlast, die im ursprünglichen Angebot nirgends stand, weil sie zum Zeitpunkt des Angebots noch gar nicht angefallen war.

Zwei Positionen daraus werden im Alltag am häufigsten übersehen. Backup-Tooling wirkt wie eine Nebensache, ist aber genau die Versicherung, die gebraucht wird, sobald ein Update schiefgeht: Ohne aktuelle Sicherung bedeutet ein missglücktes Update nicht "kurz zurückstellen", sondern "von vorne aufbauen". Und Performance-Arbeit fällt selten kontinuierlich an, sondern in Schüben: Jedes einzelne Plugin für sich verlangsamt eine Seite kaum spürbar, aber nach dem zehnten oder fünfzehnten summiert sich das zu einer Ladezeit, die weder Besucher noch Google mögen. Diese Aufräumarbeit taucht dann als eigener Auftrag auf, Jahre nach dem ursprünglichen Bau.

Warum WordPress diese Kosten strukturell erzeugt

Der Grund liegt nicht daran, dass WordPress schlecht gemacht wäre. Der Grund liegt im Aufbau selbst: drei Schichten, die unabhängig voneinander gepflegt werden.

Der Kern wird vom WordPress-Projekt selbst entwickelt und regelmäßig aktualisiert. Sicherheitsrelevante Minor-Updates laufen bei den meisten Installationen automatisch im Hintergrund, wie es die offizielle WordPress-Dokumentation beschreibt. Das ist gut gemeint und funktioniert für den Kern zuverlässig.

Die Plugins werden dagegen von Tausenden unterschiedlichen Anbietern gepflegt, jeder nach eigenem Zeitplan, manche kommerziell und gut betreut, andere von einer einzelnen Person nebenbei, wieder andere seit Jahren nicht mehr angefasst. Anders als der Kern aktualisieren sich Plugins standardmäßig nicht automatisch, weil ein automatisches Plugin-Update auf einer fremden Seite schiefgehen kann, ohne dass jemand es kommen sieht.

Das Theme sitzt dazwischen und übersetzt, wie Kern und Plugins auf der Seite dargestellt werden. Wenn der Kern sich weiterentwickelt, die Plugins sich weiterentwickeln und das Theme nicht im gleichen Takt mitzieht, reibt es genau an dieser Stelle. Ein Update, das für sich harmlos aussieht, verschiebt plötzlich ein Layout, deaktiviert eine Funktion oder bringt eine Fehlermeldung, die auf den ersten Blick nichts mit dem eigentlichen Update zu tun hat.

Diese drei Schichten sind der eigentliche Grund für fast jede Position aus der Tabelle oben. Premium-Plugins verlangen ein Abo, weil ihre Entwicklung laufend finanziert werden muss. Entwickler-Notfälle entstehen, wenn die Schichten aus dem Takt geraten. Migrationen werden nötig, wenn ein Theme oder ein Page-Builder von seinem Anbieter nicht mehr weiterentwickelt wird und irgendwann nicht mehr mit dem aktuellen Kern zusammenspielt. Kein einzelner Beteiligter handelt dabei fahrlässig, das Problem liegt in der Struktur, nicht in einer einzelnen schlechten Entscheidung.

Ein Beispiel für eine wiederkehrende Position

Um die Größenordnung einer einzelnen Position greifbar zu machen, ohne eine Pauschale zu erfinden: Ein verbreiteter Page-Builder für WordPress, Elementor, verlangt für seine Pro-Version laut eigener Preisseite ab 49 US-Dollar pro Jahr für die einfachste Stufe (Stand August 2026), mit steigenden Preisen für größere Stufen. Das ist eine einzelne Lizenz von vielen, die auf einer typischen Website parallel laufen, neben SEO-Plugin, Formular-Plugin, Sicherheits-Plugin und Caching-Plugin. Jede davon für sich ist überschaubar, mehrere davon gleichzeitig, jedes Jahr erneut, ergeben eine spürbare Dauerbelastung, die im ursprünglichen Bauprojekt nicht sichtbar war.

Wann WordPress trotzdem die richtige Wahl ist

Die strukturellen Kosten sind kein Grund, WordPress grundsätzlich zu meiden. Für bestimmte Fälle ist WordPress nach wie vor die pragmatischste Lösung, oft mit größerem Abstand vor Alternativen.

Content-lastige Seiten mit mehreren Autoren. Ein Redaktionssystem mit vielen Beiträgen, mehreren schreibenden Personen und häufig wechselnden Inhalten ist die Kernstärke von WordPress. Kaum ein anderes System bietet dafür so viel eingespielte Erfahrung.

Komplexe Shops mit WooCommerce. Wer hunderte Produktvarianten, mehrere Zahlungsanbieter und ein tief verzweigtes Lager braucht, findet in diesem Ökosystem eine Bandbreite an fertigen Lösungen, die ein einmal gebautes System kaum wirtschaftlich nachbilden kann.

Ein Betrieb mit eigener Pflege-Kompetenz. Wenn intern jemand sitzt, der Updates versteht und regelmäßig einspielt, oder eine Agentur bereits fest eingeplant ist, fällt der größte Teil des strukturellen Risikos weg, weil jemand aktiv gegensteuert, bevor sich etwas summiert.

Sehr spezifische Funktionsanforderungen. Mitgliederbereiche, Buchungssysteme, mehrsprachige Strukturen mit vielen Sonderfällen: Für all das existiert im WordPress-Ökosystem meist bereits eine erprobte Lösung, die selbst gebaut deutlich mehr Aufwand bedeuten würde.

Schwierig wird WordPress vor allem dort, wo keiner dieser Punkte zutrifft: eine einfache Firmenseite mit fünf bis zehn Seiten, ohne Redaktionsteam, ohne komplexen Shop, ohne interne Pflege, die trotzdem über die Jahre zwanzig Plugins ansammelt, von denen die meisten für eine einzelne Funktion installiert wurden, die vielleicht einmal gebraucht wurde.

Was das für Ihre Website bedeutet

Wenn Sie diesen Artikel lesen, weil Sie selbst auf WordPress sind: Das war zum Zeitpunkt des Baus wahrscheinlich eine vernünftige Entscheidung, und die Agentur, die es gebaut hat, hat nichts falsch gemacht. Die Frage, die sich jetzt lohnt, ist nicht "War WordPress ein Fehler", sondern "Passt unser Funktionsumfang noch zu dem, was WordPress an laufenden Kosten mitbringt". Diese Denkweise, die Gesamtkosten über mehrere Jahre statt nur den Anschaffungspreis zu betrachten, gilt für digitale Investitionen ganz allgemein, nicht nur für Websites, wie auch der Beitrag Was kostet ein KI-Agent zeigt.

Ein guter erster Schritt, unabhängig davon, wofür Sie sich am Ende entscheiden, ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie viele Plugins laufen aktuell auf Ihrer Seite, wie viele davon kennt noch jemand im Betrieb dem Namen nach, und wie oft im Jahr ruft tatsächlich jemand wegen eines Problems an? Diese drei Fragen zeigen meist schon, auf welcher Seite der Rechnung Sie gerade stehen, lange bevor eine Migration überhaupt zur Debatte steht.

Braucht Ihre Seite tatsächlich ein großes Plugin-Ökosystem, etwa weil ein komplexer Shop oder ein Mitgliederbereich dranhängt, bleibt WordPress meist die richtige Basis, und eine strukturierte Wartung ist der bessere Hebel als ein Systemwechsel. Braucht Ihre Seite das nicht, sondern trägt vor allem Text, Bilder, ein Kontaktformular und eine klare Struktur für Google, dann lohnt sich der Vergleich mit einem einmal fest gebauten, selbst gehosteten Auftritt ohne Plugin-Schicht: Der Funktionsumfang steht einmal fest, statt sich über Jahre über Drittanbieter-Abos zu verzweigen, und die Migrationskosten fallen einmal an statt schleichend, Jahr für Jahr. Wie das in der Praxis abläuft, steht unter Website in 5 Werktagen.

Quellen: W3Techs, WordPress.org Dokumentation, Elementor Pricing

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